Nele Markmeyer

Nele Markmeyer sagt, was sie denkt. Warum sie denn unbedingt Busfahrerin werden will?

„Man muss Männern ja mal zeigen, dass auch Frauen sowas können“, antwortet die 16-Jährige keck mit verschränkten Armen – und einem strahlenden Lächeln. Bei den Stadtwerken Osnabrück wird die Mettingerin zur Fachkraft im Fahrbetrieb ausgebildet. Menschen in großen Gefährten von A nach B kutschieren, sie kann sich kaum etwas Schöneres vorstellen. „Mein Papa arbeitet auch bei den Stadtwerken“, erklärt Nele. Im selben Job.

Schon früh begeisterte sich die 16-Jährige für das, was ihr Vater beruflich macht, und begleitete ihn auf Linienfahrten. „Das hat einfach was“, sagt Nele. „Und es wird nie langweilig.“ Wann immer es geht, steuert sie sperrige Fahrzeuge auch selbst. Im Urlaub etwa ist es der Wohnwagen, den sie auf dem Campingplatz hin und her rangiert. „Mein Papa sagt, ich habe Diesel im Blut“, sagt sie und lacht. „Irgendwann sagte er dann: ‚Wir suchen noch Azubis...‘“ Logisch, dass Neles Bewerbung nicht lange auf sich warten ließ. „Ich wollte selbstständig werden, mein eigenes Geld verdienen.“ Gesagt, getan:

Seit August steht die ehemalige KvG-Schülerin nun in Lohn und Brot. Bevor Linienfahrten ein Thema werden, lernt sie zunächst die Firma kennen. Schließlich muss Nele erst einmal ihren Auto-Führerschein machen, später folgt dann der „Lappen“ für den Bus. Solange hilft die 16-Jährige unter anderem in der Reprografie (dort werden etwa Flyer gemacht) oder im Mobilitätszentrum am Osnabrücker Neumarkt (von den Azubis auch kurz und knackig „Mobi“ genannt) mit. Auch in die Werkstatt schnupperte sie schon hinein. Dafür war bei der Pendlerin frühaufstehen angesagt: „Der Wecker ging um halb vier, um fünf fuhr der Bus nach Osnabrück.“ Probleme hatte Nele mit diesem Tagesrhythmus nicht. „Dann hatte ich ja nachmittags Zeit“, sagt sie. Gelassen bleibt die 16-Jährige daher auch, wenn sie an künftige Nacht oder Schulbusfahrten denkt. Auch der Gedanke an betrunkene Fahrgäste bereitet ihr kein Unbehagen: „Was nachts passiert, passiert auch tagsüber.“ Zudem seien die meisten Nachtschwärmer gut drauf. Und wenn mal wer einen zu viel über den Durst getrunken hat? Nele grinst. „Zum Saubermachen haben wir Leute...“ Zudem stehen Seminare zum „kundenorientierten Verhalten“ auf dem Ausbildungsplan. Darin enthalten: Strategien für den Fall des Falles. Und zur Not helfen die Kollegen weiter, die gerade Streckendienst machen.

Wenn Neles Ausbildung nach drei Jahren endet, winkt ein Übernahmevertrag für ein halbes Jahr. Mindestens. Später kann auch die Festanstellung folgen. Unwahrscheinlich ist das nicht, erklärt Kathrin Witte, Ausbildungsverantwortliche in der Abteilung Marketing Nahverkehr bei den Stadtwerken Osnabrück. Selbst mit Blick auf das bereits angelaufene Jahr kann Witte sagen: „Wir suchen immer noch...“ Jugendliche, die während ihrer Ausbildung Busse steuern möchten, sie fallen nicht von Bäumen. Auch wenn sie später vielseitig einsetzbar sind: In der Leitstelle, im „Mobi“, im Beschwerde-Management. In einem Bürojob eben. Oder aber weiterhin hinterm Steuer eines Busses. So wie vielleicht auch Nele. Sie könnte sich kaum etwas Schöneres vorstellen.